Beiträge von Apple

Zum Eigentumsverhältnis II

Beim nächtlichen Rumstöbern im alten Komfor heute den Beitrag von carlos aus dem Jahr 2005 entdeckt, der das Verhältnis von Eigentum, Kapital und Staatsgewalt ganz gut fasst. Ich zitiere den Beitrag in voller Länge, die gesamte Debatte findet sich hier.

1. Abstrakte Arbeit und Gesellschaflichkeit
Als abstrakte i s t die menschliche Arbeit gesellschaftliche Tat; allerdings ist das gerade nicht eine von den Menschen gewußt gelebte Gesellschaftlichkeit. Vielmehr kennen sie alle gesellschaftliche Arbeit sowie alle benutzte Natur nur als G e g e n s t ä n d e (mit Wert), über die für sich und gegen andere privat verfügt werden kann und muß. Als gesellschaftliche Vorgänge werden so nur die Transaktionen der Gegenstände durch die verfügenden Eigentümer und deshalb auch die Sicherung der Eigentumsverhältnisse genommen.

2. Eigentum als „Gedankenform“

Es g i b t damit in der Tat dieses sich ins Verhältnis setzen des Individuums zu einem Gegenstand, ihn als den seinen zu nehmen, der er für sich gar nicht ist und sein kann. Dieses Nehmen und Verfügen ist bei diesem Eigentumsverhältnis allerdings jenseits der praktischen Benutzung angesiedelt, ein nur geistiges oder gedankliches – und von daher schon merkwürdiges – Verhältnis, das ein Subjekt sich da leistet.
Nur weil da ein subjektives und (nur) geistiges Ins-Verhältnis-Setzen zu Gegenständen vorliegt, sollte man nicht meinen und gar verkünden, das gebe es gar nicht. Ebenfalls sollte man nicht (erst recht nicht ohne Begründung) behaupten, dass dieses n i c h t ein solches, s o n d e r n ein ganz in den Willen des Staates fallendes Ins-Verhältnis-Setzen zu anderen Menschen wäre: Eben dieses abstrakte Nehmen der Gegenstände als die Seinen durch die Eigentümer ist zugleich eine ebenfalls gewollte distanzierende Bezugnahme der bürgerlichen Subjekte auf andere Menschen.
Ein solches abstraktes Verhältnis zu Gegenständen einzunehmen, ist für sich schon rätselhaft und für einen Bezug auf Gegenstände zum Gebrauch offensichtlich unvernünftig. Da die Menschen es dennoch und sogar willig bis emphatisch praktizieren, fragt man sich schon nach den Gründen dafür.

3. staatliche Gewalt als „materielle Basis“ von Eigentum und Kapital

So ein geistiges Verhältnis zu Gegenständen, wie es das Eigentumsverhältnis vorstellt, kann für sich keinen Bestand haben gegen materiellen Zu- und Übergriffe anderer Subjekte. Richtig, s o ein Verhältnis muss schon energisch und mit materieller Wucht – objektiv – gesetzt werden, von einer Instanz, die Macht über alle einzelnen Willen der Gesellschaft hat. So „konkretisiert sich“ – wenn man so will – das subjektive abstrakte Verhältnis zu Dingen in rechtliche Gewalt. Zumindest gegen diejenigen, die damit und davon ausgeschlossen werden sollen. Allerdings natürlich f ü r diejenigen, die mit dem Gegenstand zusammengeschlossen werden, deren p o s i t i v e r Wille zum Gegenstand als eigenem ist gerade gefragt und erlaubt.

Wie der Blick in die Vergangenheit zeigt, w u r d e dieses Verhältnis tatsächlich von zentralen Gewalten gegen andere (auch nicht gemütlichere) gesellschaftliche Konzepte in die Welt gesetzt. Und w i r d auch heute immer aufs Neue durch den Staat bekräftigt. Allerdings weniger gegen Leute, die eine andere gesellschaftliche Benutzung der Gegenstände im Auge haben; vielmehr hauptsächlich gegen Subjekte, die nichts anderes im Sinn haben, als gegen die bestätigten Eigentümer ebenfalls Eigentumsverhältnisse zu den Gegenständen einzunehmen.
Es ist also auch n i c h t so, dass beim Eigentum „der Wille grundsätzlich in seinem Bezug auf seine Mittel negiert wird“ ( Gewalt ! ), er wird dahingehend sogar genehmigt und bestätigt – allerdings nur in bestimmter Weise : Wille zum Eigentum muss er schon sein.

4. der l o g i s c h e Grund des Eigentumsverhältnisses

Man kann sich also weiter die Frage stellen, warum es – jenseits der historischen Abfolge und Willensvorgabe – dieses subjektive Willensverhältnis zu Dingen als solches überhaupt gibt. Also nicht, d a s s und warum es g i l t , das Eigentumsverhältnis – da leistet die Staatsgewalt schon die Erklärung. Sondern warum es d i e s e s Verhältnis in seiner besonderen Q u a l i t ä t ist, das die Staatgewalt zur Geltung bringt.
Die Dinge selbst können wohl in der Tat für so ein Verhältnis zu ihnen ebenfalls nicht als Begründung herhalten. Ein archaisches Bedürfnis der menschlichen Natur oder gar der Willens (überhaupt), sich so zu den Mitteln menschlicher Zwecke zu stellen (so wie sich die Bürger das vorstellen), leuchtet allerdings auch nicht ein. Selbst wenn das Eigentumsverhältnis von (fast) a l l e n Akteuren des Kapitalverhältnisses als ihrem Willen entsprechend – also n i c h t als Gewalt – genommen wird.
Und selbst zur allseitig bekannten Elementarform des bürgerlichen Reichtums, der Ware, kann man sagen, dass sie zwar gehabt und materiell besessen werden muss, aber ein so abstraktes Verhältnis wie das Eigentumsverhältnis zu ihr nicht notwendig ist.
Worin ist und was macht denn nun dann dieses Eigentumsverhältnis notwendig ? Das kapitalistische Produktionsverhältnis selbst, und zwar in den Einkommensquellen („Revenuequellen“ nach Marx, K III) des bürgerlichen Wirtschaftens ! Die Gegenstände Geld, Natur und menschliche Natur, alles das wird in der Transaktion mit dem Unternehmer (nicht etwa wie die Ware verkauft, sondern) gegen Geld (= Einkommen) v e r l i e h e n . Und sie stehen im diesem verliehenen Zustand gerade a u s s c h l i e s s l i c h in d e m abstrakten Verhältnis zu ihrem verfügenden Subjekt, das das Eigentumsverhältnis ausmacht; während der Unternehmer materiell über sie verfügt.

Somit zeigt sich das Eigentumsverhältnis und der vom Eigentum getrennte Eigentümer als subjektive Kristallisation des gesamten Kapitalverhältnisses, ist also weder zufällige (etwa vorgefundene) noch willkürlich gesetzte Verfügungsweise, sondern s e i n e Form von Verfügung.
Und so subjektiv und innerlich wie innig man sich den Willen (was es ja dennoch ist, aber eben) zum Eigentum auch vorstellen mag, d a m i t (und nicht weil uns der Staat das auferlegt) erweist sich jedes Eigentumsverhältnis als Dienst am Kapital und sonst gar nichts.

Papa-a? – Ja, mein Kind?

Papa-a?
Ja, mein Kind?

Wenn wir einst, um nicht zu rosten,
rübermachten in den Osten,
um die Welt in Bunt zu sehn;

wenn wir nun vor todesblassen
Arbeitsämtern, Aldi-Kassen
wie im Osten Schlange stehn:

Ging der Schuss (ich frag ja bloß)
nicht dezent nach hinten los?

Dann geh halt rüber!

(Thomas Gsella, 2007/2008)

„Atommüll – Endlager verzweifelt gesucht“

Nicht viel Informatives zum „Warum“ aber einiges zum „Wie“ der deutschen Atompolitik und vor allem des vergangegen und jetzigen Umgangs mit radioaktiven Abfällen ist in dieser „Quarks & Co“-Sendung des WDR vom 09.11.2010 zu finden.

Das schlagende – und deshalb wohl zum Schluss aufgesparte – Argument gegen den Atommüll ist wieder einmal jenes, dass der Steuerzahler für die Milliardengewinne der Atomindustrie zahlt. Dass sich Leute auf Kosten der Allgemeinheit ausgerechnet in einer Gesellschaft bereichern, deren Allgemeinheit darin besteht, sich Reichtum auf Kosten der anderen anzueignen, ist für den deutschen Spießbürger der größte anzunehmende Skandal.

Das Märchen vom sogenannten „westdeutschen Imperialismus“

FOCUS Online weiß sich des antikommunistischen Einfühlungsvermögens seiner Leser zwar insofern sicher, dass es sich und mir beim Runtermachen von Gysis Doktorarbeit gleich jedes Argument erspart. Andererseits muss es auch eine Ahnung von der geistigen Biederheit derselben haben, was das Setzen aller Attribute, die eventuell ein schlechtes Licht auf das immerhin beste aller schlechten deutschen Reiche werfen könnten, in Anführungszeichen notwendig macht. Als Hilfestellung wird die Richtschnur der Beurteilung schon in der Form der Darstellung gegeben.

Gleichzeitig auch Gysis begriffsloses Geschwafel:

Doch wirft die Veröffentlichung von 1975 ein interessantes Schlaglicht auf den Rechtsanwalt. Nach FOCUS-Informationen greift er darin scharf das Rechtssystem der damaligen Bundesrepublik an. Jenes sei „Ausdruck der Schwäche des Imperialismus, der sich immer weniger Demokratie erlauben kann und zu immer verschleierteren Methoden demokratischer Kräfte greifen muss.“ Es sei zugleich aber auch Ausdruck „der noch vorhandenen Kraftreserven des Imperialismus, Wege zu finden, den demokratischen Einfluss zurückzudrängen“. Diese Kraftreserven gelte es zu „überwinden“, so Gysi. Mit dem Begriff „Imperialismus“ umschrieb der Autor die damalige Bundesrepublik

Das selbe System ist gleichzeitig Ausdruck der Stärke und der Schwäche von dem, wessen Teil es ist. Uff!

Die drei Gewalten

Die drei Gewalten

Der Staat will deinen Schaden nur,
Er möge säuseln oder toben,
Er bleibt dein Gegner von Natur.
Der Feind steht oben.

Regierung, Parlament,
Justiz, die drei Gewalten,
Sind, was man Diebstahl nennt,
In drei Gestalten.

(Peter Hacks, 1990)