Vorstadtfeierabend http://vorstadtfeierabend.blogsport.de Wed, 09 Aug 2017 10:57:56 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Kommunismusvortellungen in der Sowjetunion http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2017/08/09/kommunismusvortellungen-in-der-sowjetunion/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2017/08/09/kommunismusvortellungen-in-der-sowjetunion/#comments Wed, 09 Aug 2017 10:57:56 +0000 Apple Allgemein http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2017/08/09/kommunismusvortellungen-in-der-sowjetunion/ Aus Wolfgang Leonhards Buch „Kreml ohne Stalin“:

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Engels & Marx http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2012/05/07/29/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2012/05/07/29/#comments Mon, 07 May 2012 20:33:52 +0000 Apple Video http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2012/05/07/29/

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Zu Michael Heinrichs „Wissenschaft vom Wert“ II http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/09/29/zu-michael-heinrichs-wissenschaft-vom-wert-ii/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/09/29/zu-michael-heinrichs-wissenschaft-vom-wert-ii/#comments Thu, 29 Sep 2011 14:45:37 +0000 Apple Kapitalismus Dialektik Michael Heinrich Neue Marx-Lektüre http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/09/29/zu-michael-heinrichs-wissenschaft-vom-wert-ii/ Muss meinen ursprünglichen schlechten Eindruck ein Stück weit revidieren: Heinrich hat durchaus einen Begriff vom interessierten Denken. In seinen Worten heißt das „theoretische Problematik“, „theoretisches Feld“ bzw. „Fragestellung“. Dass Smith und Ricardo auf verkehrte Theorien kommen, erklärt er (auch) damit, dass sie vonvornherein ihre wissenschaftlichen Fragen so stellen, dass eine vernünftige Theorie nicht rauskommen kann. Wenn er allerdings an die nähere Ausführung dieser falschen Fragestellungen geht, kommt so‘n Zeug wie die bereits kritisierte Empirismusdiagnose.

An den Punkten, wo Heinrich selbst dagegen polemisiert, interessiertes Denken für den Grund falscher Theorien zu halten, denkt er eher an so etwas wie vorsätzlich falsches Denken. Wenn also Leute mit Absicht zu falschen Ergebnissen kommen wollen, weil es ihnen politisch in den Kram passt. Ideologie als Lüge oder Priestertrug. Kann man ja auch so verstehen. Der Begriff „interessiertes Denken“ scheint mir da ein wenig missverständlich zu sein.

Eine andere Kritik an Interessen als Grund für Ideologien hat Ingo Elbe in seinem Vortrag „Anonyme Herrschaft“ drauf. Wenn Leute Interesse als Grund für Ideologien angeben (es wird im Vortrag nicht klar, wer diese „Leute“ sein sollen – vllt. der GSP), dann kann man das so nicht stehen lassen. Man müsse vielmehr fragen, woher diese Interessen denn kommen, und da stößt man auf die gesellschaftlichen Verhältnisse.

Eine schlechte Kritik, die sagen will: Den angegebenen Grund für Ideologien kann ich so nicht stehen lassen, denn dieser Grund hat seinerseits einen Grund und jener Grund des Grundes ist dann aber auch der wirkliche Grund für Ideologien. Abgesehen davon, dass man das Spiel mit dem Grund des Grundes des Grundes des Grundes des Grundes des Grundes des Grundes … auch auf jedes Argument von Elbe anwenden und es damit bestreiten kann, müsste es selbst für bürgerlich sozialisierte Individuen nicht schwer sein, einzusehen, dass der Grund der bürgerlichen Interessen der Grund von etwas anderem ist, als das wonach gefragt wurde, seine Ermittlung deswegen auch die gestellte Frage nach dem Grund von Ideologien nicht beantwortet. Mit der Antwort auf die zweite Frage wird die erste nicht beantwortet – und umgekehrt. Es ist deshalb verkehrt die eine Erklärung gegen die andere zu halten. Dass Elbe es in seinem Vortrag tut, liegt daran, dass er gerne die Betonung auf die „Struktur der Produktionsverhältnisse“ legen will und in den Erläuterungen der Gegenseite diese Betonung falsch gesetzt sieht.

Bei Heinrich derselbe Fehler, allerdings auf etwas anderes bezogen:

In einer, von Marx und Engels in Abgrenzung zum Idealismus Hegels und der Junghegelianer als „materialistisch“ apostrophierten Geschichts- und Gesellschaftsauffassung treten an die Stelle des „menschlichen Wesens“ als grundlegendes begriffliches Konzept die „gesellschaftlichen Verhältnisse“. Zwar sind diese Verhältnisse nicht naturgegeben, sondern werden durch das Handeln der Menschen reproduziert, sie können aber nicht aus dem individuellen Handeln erklärt werden, denn den einzelnen Individuen treten diese Verhältnisse bereits fertig gegenüber und geben ihnen die Handlungsmöglichkeiten erst vor. Der Bruch mit dem Anthropologismus zieht den Bruch mit dem zweiten Element des theoretischen Feldes der politischen Ökonomie nach sich, dem Individualismus. (Heinrich 1999: 138)

Die Kritik am Anthropologismus in allen Ehren, aber das Argument geht mal gar nicht, Digga. Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die von den Individuen noch zu produzieren sind, sind schon von ihnen produziert worden und stehen ihnen bereits fertig gegenüber. Was die Individuen produzieren, haben sie schon produziert und wurden davon ihrerseits selbst schon längst produziert. Das ist logisch totaler Quark, er trieft nur so aus den Sätzen raus, läufen die Buchseite herunter und auf meinen Teller mit dem Stück Pflaumenkuchen. Mhh, lecker! Zustande kommt er, weil

a) Heinrich sich in Abstraktionen wie „die Individuen“ und „die Verhältnisse“ rumtreibt und nichts Konkretes erklären will. Schon an dem einfachen Gedanken, dass es vor 20 Jahren andere Individuen waren, die Verhältnisse produziert haben, die mir und anderen heutigen Individuen fertig gegenüberstehen, merkt man wie faul die Rede von „den“ Individuen ist, die ihr schon produziertes Produkt erst noch produzieren müssen, damit es sie produzieren kann.

b) Heinrich die beiden Kategorien Grund und Bedingung miteinander vermischt. Während die Individuen die Verhältnisse produzieren, somit also auch der Grund ihrer Entstehung sind, stellen die Verhältnisse die Bedingung des Handelns da und nicht seinen Grund. Das Handeln erklärt sich also genau genommen nicht aus den Verhältnissen, sondern daraus, wie Menschen mit dem, was ihnen da vorgesetzt wird, umgehen. Damit Heinrich es bestreiten kann, dass die Gesellschaft sich aus dem Handeln der Individuen erklärt, muss er ein logisches Kuddelmuddel konstruieren, in dem das Handeln irgendwie zu den Verhältnissen führt und die Verhältnisse irgendwie zum individuellen Handeln, und zwar ohne, dass klar expliziert wird, welchen Begründungsstatus das eine für das andere hat. Im Endeffekt behauptet er beides als Grund für einander. Der Sache nach liegt aber auf der einen Seite ein Begründungs-, auf der anderen eine Bedingungsverhältnis vor.

c) Heinrich den gleichen Fehler wie Elbe macht. Dass Individuen die gesellschaftlichen Verhältnisse produzieren, reicht ihm als Erklärung nicht aus. Er stellt gleich die Frage nach dem Grund des Grundes: Wie erklärt sich das Handeln der Individuen? „Das Handeln der Personen kann nicht, wie in der klassischen und der neoklassischen Ökonomie, als Erklärungsgrund dienen, es muß vielmehr selbst erklärt werden.“ (Heinrich 1999: 154) Auch Heinrich ist also nicht auf eine sachliche Erklärung aus, es geht ihm um die richtige Betonung bei der Wiedergabe des Sachverhalts. Die Verhältnisse sind dafür verantwortlich, dass die Menschen sich so aufführen und ihr eigenes Elend reproduzieren.

Man fragt sich, was an der Betonung so wichtig ist. Scheint die verkehrte Art und Weise zu sein, in der die Neue-Marx-Lektüre-Kerls mit moralischer Kritik an den Unschönheiten des Kapitalismus umgehen. Anstatt die Schuldfrage, die da ständig aufgemacht wird, zu kritisieren und zurückzuweisen, wird die Schuld des Einzelnen (Managers, Politikers, dummen bürgerlichen Wissenschaftlers) zurückgewiesen, indem die Ursächlichkeit des individuellen Handelns betritten wird. Was bei den Diggaz auf der Straße schon längst als ironischer Witz gilt (allerdings aus anderen Gründen wie hier; nichts zugutehalten, was nicht zu Zugutehalten gehört) – „Ich kann nichts dafür, die Gesellschaft hat mich dazu gemacht“ – wird in den Rang einer Erklärung des Kapitalsverhältnisses erhoben.

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Zu Michael Heinrichs Empirismuskritik http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/09/27/zu-michael-heinrichs-empirismuskritik/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/09/27/zu-michael-heinrichs-empirismuskritik/#comments Tue, 27 Sep 2011 14:43:17 +0000 Apple Hegel Kapitalismus Dialektik Michael Heinrich Neue Marx-Lektüre Werththeorie http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/09/27/zu-michael-heinrichs-empirismuskritik/ Heinrichs „Wissenschaft vom Wert“ gelesen. Darin zu finden Heinrichs Kritik an der Marx’schen Einschätzung von Smith und Ricardo. Marx kritisiert an den beiden, dass sie zwar den Wert der Waren auf Arbeit zurückführten, ebenso einen Begriff vom Mehrwert hätten, diese beiden Begriffe aber ständig mit den Begriffen Preis und Profit – also mit den Erscheinungsformen von Wert und Mehrwert – verwechselten.

So bei Ricardo: Dieser wisse zwar, dass der Mehrwert der Teil des der Warenmasse durch Arbeit zugesetzten Werts ist, der den zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Wert übersteigt, sei also auch auf dem besten Wege, zu entdecken, dass Mehrwert durch Mehrarbeit, d.h. Ausbeutung geschaffen wird. Je größer die Ausbeutung, desto mehr Mehrwert. Diese Behauptung widerspreche aber der unmittelbaren Anschauung, insofern, dass bei einer gegebenen Durchschnittsprofitrate die Profitmasse von der Größe des eingesetzten Kapitals abhängt – und zwar unabhängig von der Mehrwertrate des Einzelkapitals. Marx kritisiert nun, dass Ricardo das Vorhandensein der Durchschnittsprofitrate nicht aus seiner – richtigen – Mehrwerttheorie entwickelt, also die Mehrwertbestimmungen mit den Profitbestimmungen korrekt vermittelt, sondern diese als Prüfstein der Mehrwerttheorie betrachtet und bei Nichtübereinstimmung die Bestimmungen des Mehrwerts teilweise wieder verwirft bzw. falsch modifiziert. Ricardo sei es einerseits darum gegangen, die dem Profit zugrunde liegenden Gesetze aufzufinden, andererseits habe er die Erklärung – den Mehrwert – nicht mit dem zu Erklärenden – dem Profit – vermittelt, sondern beides miteinander verwechselt. Ricardo fasse „die Erscheinungsform nun unmittelbar, direkt als Bewähr oder Darstellung der allgemeinen Gesetze auf“, keinesweg entwickle er das eine aus dem anderen – wie es eine richtige Theorie zu tun hätte. Seine Abstraktion (der Schluss auf die dem Profit zugrunde liegenden Vorgänge) sei eine bloß „formale Abstraction“, keine die mit der zu erklärenden Realität inhaltlich verknüpft wäre. (MEW 26.2: 100)

Marx geht von einer (seiner) fertigen Theorie des Profits aus, die diesen – auch quantitativ – aus der Aneignung von Mehrarbeit Schritt für Schritt ableitet und das, was anfangs als Widerspruch erschien, miteinander vermittelt, und betrachtet die Theorien von Smith und Ricardo in einem Abgleich mit seiner. Dort, wo sich diese übereinstimmend mit ihm äußern, hält er es ihnen als einen Fortschritt in der Wissenschaft zugute; dort, wo die beiden vom ihm abweichen, seien nach Marx Verwechslungen, Inkonsequenzen, Unfähigkeit, „Mangel an Abstractionskraft“ u.ä. am Werke. Ein Begriff der Theorien von S. und R. ist dies nicht, eine Erklärung dessen, warum sie ihre Fehler machen, auch nicht. Die „Un-“s, „In“-s und „Mängel“ sind keine positiven Bestimmungen der dort vollzogenen Urteile, sondern drücken bloß die Nichtübereinstimmung mit der eigenen Theorie aus.
Edit: Marx geht von einer (seiner) fertigen Theorie des Profits aus, die diesen – auch quantitativ – aus der Aneignung von Mehrarbeit Schritt für Schritt ableitet, also das, was anfangs als Widerspruch erschien, miteinander vermittelt und betrachtet die Theorien von Smith und Ricardo im Verhältnis seiner. Dort, wo sich diese übereinstimmend mit ihm äußern, hält er es ihnen als einen Fortschritt in der Wissenschaft zugute; dort, wo die beiden vom ihm abweichen, seien nach Marx – zumindest an den Stellen, auf die Heinrich sich bezieht – Verwechslungen, Inkonsequenzen, Unfähigkeit, „Mangel an Abstractionskraft“ u.ä. am Werke. Eine Erklärung dessen, warum S. und R. ihre Fehler machen ist das nicht. Die „Un-“s, „In“-s und „Mängel“ sind keine positiven Erklärungen der dort vollzogenen Urteile, sondern halten zunächst nur fest, dass die beiden es falsch gemacht haben, weil sie es nicht richtig gemacht haben.

Das kreidet Heinrich Marx seinerseits als Mangel an und macht sich daran, diesen Mangel zu beheben, also die Fehler von S. und R. positiv zu erklären. Diese Erklärung geht folgendermaßen: Heinrich attestiert Smith und Ricardo Empirismus, der sie daran hindern würde, eine „nicht-empiristische Theorieebene“ zu konstruieren, die bei Marx vorhanden sei und auf der seine Mehrwerttheorie zu verorten sei. (Heinrich 1999: 58) Der Empirismus, der den Nicht-Empirismus verhindert, wird doppelt bestimmt: Einerseits negativ, als das Nicht-Vorhandensein abstrakter theoretischer Ebenen, andererseits als die Anwendung von theoretisch gewonnenen Kategorien auf der Ebene der unmittelbaren Beobachtung. Da der Mehrwert z.B. nach Heinrich eine Kategorie ist, die kein empirisches Korrelat besitzt, also nicht unmittelbar beobachtet werden kann, können die empiristischen Theoretiker Smith und Ricardo ihn auch nicht richtig bestimmen, denn dazu müssten sie sich theoretisch auf nicht-empirische Ebenen begeben. Dass sie das nicht tun, liegt wiederum daran, dass sie im empiristischen Diskurs befangen sind, der die Wissenschaft der Politischen Ökonomie zu ihrer Zeit beherrschte.

Dazu ein paar Gedanken:

1. Der Verweis auf den empiristischen Diskurs ist eine Nicht-Erklärung, weil der empiristische Diskurs durch nichts anderes als die Betätigung seiner Protagonisten entsteht. Die Erklärung dessen, warum die bürgerlichen Ökonomen allesamt Empiristen sind, heißt demnach: weil sie sich alle theoretisch als solche betätigen, es also sind. Hegel hülf!

2. Wodurch verhindert der Empirismus eigentlich, dass seine Anhänger ihre Kategorien auf gescheiten theoretischen Ebenen plazieren? Sprich: Was sind das für Eigenschaften und Bestimmungen, die er hat, die Smiths und Ricardos Denken in eine verkehrte Richtig treiben? – Davon weiß Heinrich nichts zu berichten. Empirismus ist bei ihm einfach und allein schon dadurch bestimmt, dass man dabei am richtigen Theoretisieren gehindert wird. Warum konstruieren Smith und Ricardo nicht die richtige theoretische Ebene, um den Mehrwert korrekt zu fassen? – fragt Heinrich. Und seine Antwort lautet: Weil sie Empiristen sind, es also nicht tun. Sie machen, was sie machen, weil sie so sind, dass sie es machen. Ein Tun wird als ein Zustand beschrieben und soll als Erklärung für sich selbst herhalten. Eine „formale Abstraction“ hat das mal irgendein kluger Mensch genannt.

Heinrichs Fassung vom Empirismus taugt vielleicht dazu, diese Denkweise zu benennen und zu charakterisieren, nicht jedoch als Erklärung für die Gedanken von Smith und Ricardo.

3. „Empirismus“ in dem Sinn, dass Smith und Ricardo von empirisch Beobachtbaren ausgehen und daran ihre theoretischen Kategorien überprüfen, wäre nichts Falsches. Das macht jede Wissenschaft so. Die empirische Beobachtung ist das zu Erklärende, also müssen die theoretischen Kategorien sie erfassen können, sind also an ihr zu überprüfen. Dass die Kategorien kein unmittelbares „empirisches Korrelat“ haben, macht für die meisten Wissenschaftler keine Probleme (vgl. die meisten Begriffe in der Physik). Auch Smith und Ricardo benutzen Kategorien, die kein direktes empirisches Korrelat besitzen, was sie nicht daran hindert, sie als richtige zu behaupten. Wenn Smith z.B. über den „natürlichen Preis“ der Waren redet, der sich als Durchschnitt aus den Preisschwankungen ergibt, dann ist dieser „natürliche Preis“ auch nicht unmittelbar zu beobachten – Durchschnitte werden nicht beobachtet, sondern errechnet – und dennoch macht sich Smith an die Erklärung dessen, wie er zustande kommt. Ebenso das Gefasel der beiden über die Natur des Menschen, die ständig als Erklärung für den Tausch herhalten muss, obwohl sie nicht direkt beobachtbar ist, sondern aus dem Handeln der Menschen erschlossen wird. (Bei Smith über den haarsträubend whacken Analogieschluss, dass wenn die Sprache zur Natur des Menschen gehört, weil die sonstigen Tiere nicht sprechen können, es mit dem Tauschen sich ebenso verhalten muss, weil Tiere eben auch nicht tauschen.) „Empirismus“ in dem Sinn, dass Smith und Ricardo bloß platt das empirisch Beobachtbare widergeben würden, ohne abstrakte Kategorien zur Erklärung zu benutzen, liegt also auch nicht vor.

Edit: [Ergänzt um Krims Kommentar, der die Sache tight auf den Punkt bringt]“Auch der Profit ist ja eigentlich nichts direkt empirisches. Was der Unternehmer auf dem Markt erhält ist ja zunächst mal Geld. Dieses Geld aber in ein Verhältnis zu setzen zum vorgeschossenen Kapital ist eine theoretischer Vorgang. Also ist Profit auch eine theoretische Kategorie, weil er das Verhältnis zum vorgeschossenen Kapital bezeichnet. Der Mehrwert ist ja auch nichts anderes als ein Verhältnis, nämlich das Verhältnis zur Lohnsumme, die ihn herstellt, die Mehrarbeit das Verhältnis zur notwendigen Arbeit. Der Unterschied ist bloß, dass den Kapitalisten bloß das Verhältnis zum vorgeschossenen Kapital interessiert. Seinem Interesse ist es also geschuldet, dass dem Kapitalisten der Überschuß als Profit erscheint, also als Überschuss über ein vorgeschossenes Kapital und nicht als Überschuss über das variable Kapital, als vergegenständlichtes Produkt der Mehrarbeit im Verhältnis zur Arbeit, die die Lohnkosten reproduziert.

Das Empirische ist nicht einfach vorliegende Realität, sondern schon in theoretische Kategorien einsortierte Realität. In diesem Fall sind es die interessierten Kategorien des praktischen Kapitalstandpunkts, die als Empirie gelten. Umgekehrt verraten die die Kategorien der Empirie das Interesse, das sie produziert.
Hier müsste man fragen, warum eigentlich der Kapitalstandpunkt bei S.u.R. als Empirie/als Realität durchgeht. Auf die Frage, warum sie das weder als theoretische Kategorie erkennen noch das Interesse, das sie produziert, gibt es m.E. nur eine Antwort – sie finden das Interesse nicht kritikabel, sondern teilen es.

Überhaupt besteht der Empirismus nicht, wie Heinrich annimmt, darin, das empirisch Gegebene einfach wiederzugeben. Dass Empiristen sich peinlich genau an die Empirie halten würden, ohne jede theoretische Zutat des Denkens, womit die Objektivität ihrer Theorien versichert wäre, ist ihre eigene Ideologie, mit der sie andere Theoretiker – Marxisten z.B. – disqualifizieren wollen. Heinrich nimmt diese Ideologie für bare Münze, meint aber, genau darin die Schwäche des Empirismus gefunden zu haben. Fail, denn die „Schwäche“ des Empirismus besteht in Wirklichkeit darin, dass er eine erkenntnistheoretisch unterfütterte Verweigerung darstellt, die fehlerhaften Kategorien der bürgerlichen Wissenschaft auf ihren theoretischen Status zu prüfen.

4. Worauf läuft die ganze Sache hinaus? Smith und Ricardo haben kein Style, bestimmen alles Mögliche anders als Marx und dazu auch noch falsch. Eine Erklärung dafür hat Heinrich mit seinem Versuch nicht hinbekommen. Was er hinbekommen hat, ist, die urban legend in die Welt zu setzen, Marx sei ditwegen so ein kluger Kopf jewesen, weil er eine Revolution auf dem wissenschafts-methodischen Gebiet angestoßen hat, die der Einführung von theoretischen Ebenen endlich die Beachtung zollt, die sie verdient, und die Heinrich und seine Homies von der Neuen-Marx-Lektüre immer noch im Begriff sind zu vollziehen. Und ich will auch gar nicht bestreiten, dass einem die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Methoden nützen kann – z.B. dabei, die Fehler der bürgerlichen Ökonomen und von Heinrich schneller zu entdecken und zu verstehen – dass Marx seine Theorie halbwegs korrekt hinbekommen hat, weil es ihm eingefallen ist, neue theoretische Ebenen einzuführen, bestreite ich allerdings.

Achso, bevor das vergessen wird: eine Kritik am Empirismus, unerreicht, was den Flow und die Message angeht, gibt es von schwäbischsten aller Philosophen – Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, ab §37.

Kritik und Anmerkungen in der Kommentarspalte werden gelesen und bedacht.

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Sucht als Ticket zur geistigen Entsagung http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/08/05/sucht-als-ticket-zur-geistigen-entsagung/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/08/05/sucht-als-ticket-zur-geistigen-entsagung/#comments Fri, 05 Aug 2011 12:24:26 +0000 KayOhKayn Allgemein http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/08/05/sucht-als-ticket-zur-geistigen-entsagung/ Es mag nur eine Reaktion auf die penetrante moralische Militanz von Konsum-Politik-Aposteln in Form mancher Vegetarier_innen und Veganer_innen sein, nichtsdestotrotz ist ihre Form der Befassung mit ihrem Gegenstand abzulehnen: Im Gespräch über Vegetarismus und Veganismus begegnet mir zuweilen die Aussage “Das könnte ich nicht!”.

Keine Fleisch- oder Milchprodukte zu sich zu nehmen führt aber meines Wissens nicht zu Entzugserscheinungen, wie dies zum Beispiel bei der Nikotinentwöhnung in Form von Konzentrationsschwierigkeiten der Fall ist*. Dennoch wird in der obigen Aussage der Konsum von Tierprodukten als quasi-Sucht behandelt: Wer sich entscheidet keine Fleisch- oder sogar Tierprodukte im Allgemeinen mehr zu konsumieren, wägt seine Interessen am Konsum gegen seine Urteile über diesen ab und räumt Letzteren den Vorzug ein. Die Gründe für den nicht-Konsum werden für die betreffende Person handlungsleitend, weil sie ihre Urteile darüber, warum der jeweilige Konsum nicht gut und der nicht-Konsum und seine Auswirkungen besser seien, als höherwertig gegenüber ihrer bisherigen Praxis des Konsums betrachtet. Der nicht-Konsum geht mit seinen Gründen somit in den Willen der Person über.

Wenn nun nicht-Vegetarier und nicht-Veganer sagen, sie könnten “das nicht”, sagen sie nicht, dass sie die Gründe für den jeweiligen nicht-Konsum für falsch oder zumindest nicht so schwerwiegend, dass sie ihnen gegenüber ihre Interessen am Konsum zurückstellen würden, erachten. Vielmehr schneiden sie sich selbst von der Reflexion über ihr Handeln ab, indem sie sich für handlungsunfähig erklären. Das “nicht-Können” hat keine körperliche Notwendigkeit, wie bei der wirklichen Sucht. Der Grund für das nicht-Können muss also im Geist liegen und damit doch in den Urteilen über die Sache. In ihrer Aussage äußert sich aber gerade der Unwillen ihr zur Unfähigkeit verklärtes Urteil zu diskutieren und zu reflektieren: Dass man weiter Fleisch/Tierprodukte konsumieren will, wird zur Unfähigkeit das Gegenteil zu tun, verklärt: Weil ich nicht will, kann ich nicht – wenn ich nicht kann, dann brauche ich über meinen Willen ja gar nicht mehr nachzudenken (und entsage so der Möglichkeit meinen Verstand zum Kriterium meines Handlens zu machen).

*Beim Veganismus trifft dies zwar unmittelbar nicht zu, denn mit der westlichen veganen Ernährung lässt sich dem Körper nicht in ausreichendem Maße Vitamin B12 zuführen, was nach einigen Jahren zu schweren und irreperablen Schädigungen der Nerven (zum Beispiel an Augen und Hand) führen kann. Das tut aber hier nichts zur Sache, denn B12 lässt sich als pflanzliches Vitaminpräparat ergänzen und die beeinträchtigende Wirkung kann somit aufgehoben werden.

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[VA] Konterrevolutionismus ist die Kinderkrankheit … http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/06/26/veranstaltungshinweis-konterrevolutionismus-ist-die-kinderkrankheit/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/06/26/veranstaltungshinweis-konterrevolutionismus-ist-die-kinderkrankheit/#comments Sun, 26 Jun 2011 15:14:48 +0000 Apple Veranstaltungshinweis http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/06/26/veranstaltungshinweis-konterrevolutionismus-ist-die-kinderkrankheit/ Die reaktionärsten, chauvinistischsten und am meisten verblendetsten Teile der linken Szene Tübingens* veranstalten ab Mitte Juli eine dreiteilige Vortragsreihe. Diese fehlgeleiteten Jugendlichen, die ihrer Organisation passenderweise den Namen „AK LINKE IRRWEGE“ gegeben haben, wollen mit Veranstaltungen aufwarten, „die sich kritisch mit linken Gretchenfragen um Staat/Nation, Klasse, realsozialistischer Ökonomie und Antiimperialismus befassen“. Jenen, die an dieser Verunglimpfung des Sozialismus kein Interesse haben, wird im Voraus gedroht:

Und wer meint Kronstadt sei Schnee von Gestern vergisst das dieser Schnee rotgefärbt ist.

Themen:

  • 03.07.2011, Epplehaus Tübingen, 19 Uhr
    Thema: „Nationalismus in der DDR: Vom proletarischen Internationalismus zur sozialistischen Nation“/li>
  • 07.07.2011, Epplehaus Tübingen, 19 Uhr
    Thema: „Wir woll‘n doch nur wie die Deutsche Bank sein. Veranstaltung zu Begriff, Sache und Unwesen der Klasse“
    Referent: JustIn Monday aus Hamburg
  • 18.07.2011, Epplehaus Tübingen, 19 Uhr
    Thema: „Antiimperialismus und Ideologie: Zur Geschichte des Imperialismus, seinem Wandel im globalen Zeitalter und seiner anachronistischen Auffassung seitens der deutschen Linken“
    Referent: Daniel Späth

Mehr Infos zu den Vorträgen gibt es hier.

* Dem Verfasser ist bekannt, dass der Großteil der Beteiligten nicht einmal aus echten Arbeiterfamilien stammt

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Ein Nachruf dessen Anlass nicht nur betrübt macht, sondern auch dessen Inhalt http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/06/14/ein-nachruf-dessen-anlass-nicht-nur-betruebt-macht-sondern-auch-dessen-inhalt/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/06/14/ein-nachruf-dessen-anlass-nicht-nur-betruebt-macht-sondern-auch-dessen-inhalt/#comments Tue, 14 Jun 2011 13:31:40 +0000 KayOhKayn Allgemein http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/06/14/ein-nachruf-dessen-anlass-nicht-nur-betruebt-macht-sondern-auch-dessen-inhalt/ Aus dem Magazin Intro vom November letzten Jahres:
Wir vermissen Martin Büsser
Ein Nachruf von Thees Uhlmann (Tomte)

Am 23.09. dieses Jahres starb unser Autor und Freund Martin Büsser mit nur 42 Jahren an Krebs. Thees Uhlmann teilt eine Geschichte.

Es gab eine Zeit, da fand man mich in Hemmoor auf Knien vor dem Briefkasten wartend, dass doch endlich der Tag im Monat sein möge, an dem das neue „ZAP Hardcore Magazin“ vor mir auf den Boden fällt. Das Magazin samt seinen Mitarbeitern war alles für mich: Vorbilder, Lebenskünstler, Durchzieher, Literaten, Verrückte, Punks, Genies, Gehirne, Entertainer, Meinungsmacher.

Das war meine erste Welt der freien Wahl. Martin Büsser war einer davon. Er schrieb über obskure Noiserock-Bands, über einarmige japanische Jazztrompeter, Helge Schneider und Adorno. Das brachte mich dazu, in Hemmoor zum örtlichen Bücherdealer zu gehen, um mir ein Adorno-Buch zu bestellen. Der Buchladenbetreiber musste erst mal nachgucken, wer das ist. Ich bestellte das billigste und folgte dem guten alten Motto „Versuch, deine Idole kennenzulernen“ und schrieb Martin von diesem Buchkauf.

Wenige Tage später kamen eng geschriebene vier Seiten zurück, in denen stand, was ich noch alles lesen müsse: Foucault, Chomsky, der ganze Kram. Ich habe seine Empfehlungen nicht befolgt, denn die Geste, mir einen Brief zu schreiben, wiegt viel mehr, als man in diesen Büchern lernen könnte. Einfach etwas tun! Sich selbst nicht wichtig nehmend jemandem einen Gefallen und seine Gedanken schenken.

Dass jemand, den ich so gut und weltgewandt und beneidenswert fand, sich die Zeit nahm, mir einen Brief zu schreiben, hat mir nichts anderes bewiesen, als dass es Sinn macht, etwas vom Leben und all seinen Wegen, Zwängen und Wirrungen zu erwarten.

Vielleicht ist es ein wenig so, dass bis 18 der Körper lernt und ab da nur noch das Herz. Diese Geste hat bis heute mein ganzes Leben beeinflusst, und ich versuche noch immer, mich an ihr zu orientieren.

Danke, Martin!

Unser Autor Martin Büsser starb vor rund einem Monat, am 23.09., nach kurzer, schwerer Krankheit. Wir sind immer noch traurig. Einen ausführlichen Nachruf von Intro-Redakteur Linus Volkmann findet ihr hier.


„[…] die Geste, mir einen Brief zu schreiben, wiegt viel mehr, als man in diesen Büchern lernen könnte. Einfach etwas tun! Sich selbst nicht
wichtig nehmend jemandem einen Gefallen und seine Gedanken schenken.“

Das ist der Kern des Traurigen: Martin Büsser schrieb wohl in dem Glauben, dass seine Artikel jemanden dazu angeregt haben, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die ihm etwas bedeuteten, weil er sie als sachlich wichtig erachtete einen langen Brief, der Anregungen für die weitere Beschäftigung mit den inhaltlichen Fragen bereithielt. Der Nachrufer offenbart aber gerade eine Geringschätzung für die inhaltliche Seite, die Seite die Martin Büsser gerade die wichtige gewesen sein muss, sonst hätte er auch einen kurzen inhaltsleeren Brief schreiben können, was weniger Aufwand gewesen wäre. Der Nachrufer misst dem Inhalt, der also der Grund für das Engagement Büssers gewesen sein muss, kaum Bedeutung bei, bezeichnet die Autoren, auf die verwiesen wurde, gar mit dem abschätzigen Wort ‚Kram‘ und gibt dann auch noch zu, sich mit dem Inhalt nicht einmal befasst zu haben (offenbart also gleichzeitig, gar nicht qualifiziert zu sein für das Urteil, dass die Geste mehr als der Inhalt der Bücher wiege).
Das Traurige ist daher, dass zu Martin Büsser gerade gesagt wird: Das was ihm wichtig war, was er vermitteln wollte, ist mir egal: Es kommt zwar als Inhalt des ‚Geschenks‘ vor aber eben nur als sein nunmal notwendiger Träger: Von Bedeutung war für den Nachrufer die Äußerlichkeit der Form des Inhalts. Er sieht von der Absicht völlig ab und misst nur dem Mittel der Verwirklichung der Absicht Bedeutung bei. Dieses Mittel: ein selbstloses Geschenk ist zu allem Übel auch noch so abstrakt, dass es beliebig ist und dem Toten nicht mal auf dieser falschen Ebene eine Bedeutung zuschreibt, die nicht alltäglich wäre.

Ein Nachruf, der sich mit dem Schaffen Martin Büssers auseinandersetzt, findet sich hier.

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http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/06/14/ein-nachruf-dessen-anlass-nicht-nur-betruebt-macht-sondern-auch-dessen-inhalt/feed/
Unausgesprochen verschwörungstheoretisch http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/05/15/unausgesprochen-verschwoerungstheoretisch/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/05/15/unausgesprochen-verschwoerungstheoretisch/#comments Sun, 15 May 2011 20:35:51 +0000 KayOhKayn Allgemein http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/05/15/unausgesprochen-verschwoerungstheoretisch/ Die Tagesschau berichtet über den Vergewaltigungsvorwurf gegenüber dem Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn, der auf den Mittag des Vortags datiert. Neben seiner Tätigkeit als IWF-Chef gilt Strauss-Kahn dem Bericht zufolge auch als Hoffnungsträger der Sozialistischen Partei Frankreichs für den Präsidentschaftswahlkampf 2012 gegen Nicolas Sarkozy. Von der durch den „Skandal“ laut Tagesschau hervorgerufenen politischen Schwächung, sollen die „politischen Gegner“ des amtierenden Präsidenten der französischen Republik darauf geschlossen haben, dass der Zeitpunkt des Publikwerdens seltsam/auffällig sei:


Selbst wenn er die Vorwürfe entkräften kann, Dominique Strauss-Kahn ist schon jetzt politisch entscheidend geschwächt – als Chef des Internationalen Währungsfonds und als Sarkozys stärkster Herausforderer. Für die politischen Gegner des Präsidenten ist deshalb auch der Zeitpunkt zu dem dieser Skandal publik wird bemerkenswert, um nicht zu sagen auffällig.

Der Zeitpunkt der Publikwerdens ist unmittelbar nach dem mutmaßlichen Verbrechen. Es ist weder bemerkenswert noch auffällig, dass die Festnahme eines weltbekannten Politikers sofort bekannt wird. Ich kann mir daher auch nicht vorstellen, dass „die politischen Gegner“ Sarkozys tatsächlich den Zeitpunkt des Publikwerdens in Frage stellen – das habe ich aber zugegebenermaßen nicht recherchiert. Von einer so unbestimmten Gruppe wie der der „politischen Gegner“ ließe sich aber auch nicht zweifelsfrei feststellen, dass nicht doch jemand so etwas gesagt hat. Trotz der offensichtlichen Blödsinnigkeit der Äußerung mag die Tagesschau also ihr indirektes Zitat – abgesehen von der Sippenhaft in die sie die politischen Gegner nimmt – korrekt wiedergeben.

Auffallen könnte verschwörungstheoretischen Geistern höchstens der mutmaßliche Vorfall selbst. Wem an dem Vorfall aber etwas auffällt, der glaubt schon in der Logik des Cui Bono? („Wem kommt das zu Gute?“) darauf schließen zu können, dass die Anschuldigung falsch ist, weil sie gerade den politischen Gegnern Sarkozys zu pass kommen könnte. Für diese Spekulation braucht man keinen konkreten Inhalt zu untersuchen sondern sich nur anzuschauen, wem etwas zu Gute kommt. Nach der Logik kann der Regen das Werk von Landwirten sein.

Indem die Tagesschau in ihrer Formulierung, die aus dem kollektiven Munde der „politischen Gegner“ Sarkozys gekommen sein soll, gerade nicht den „Skandal“ selbst in Frage stellt, sondern den Zeitpunkt des Publikwerdens, umgeht sie es die offensichtlich verschwörungstheoretische Spekulation, dass der Inhalt des Skandals selbst inszeniert sei, auszusprechen. Dafür nutzt sie die ungleich diffusere und abwegigere Feststellung, dass der Zeitpunkt des Publik-werdens Verdacht errege, als Einfallstor für die Verschwörungstheorie: Weil Alle wissen, dass der Zeitpunkt des Publikwerdens überhaupt nicht bemerkenswert ist, schließen sie schon auf den eigentlich gemeinten Inhalt, nämlich dass der ganze „Skandal“ selbst inszeniert sei.

Die Tagesschau befeuert die Verschwörungstheorie, die sie der Gruppe der „politischen Gegner“ Sarkozys kollektiv in den Mund legt, indem sie den Kern der Verschwörungstheorie gerade nicht ausspricht und sich somit scheinbar auch nicht der unkommentierten Weitergabe von Verschwörungstheorie schuldig macht, während die Verschwörungstheorie doch die einzig logische Folgerung aus dem Berichteten bleibt.

Sollten auch tatsächlich „politische Gegner“ Sarkozys selbst den Zeitpunkt des Publikwerdens für bemerkenswert/auffällig erklärt haben, hätte die Tagesschau dies trotzdem nicht unkommentiert wiedergeben dürfen, sondern hätte auf den verschwörungstheoretischen Gehalt der Aussagen verweisen müssen und dafür auch nicht die Gegner kollektiv in Sippenhaft nehmen dürfen. Ich bin auch einer der politischen Gegner Sarkozys und finde den Zeitpunkt zu dem der Skandal publik wird keineswegs seltsam oder auffällig.

Indem ich mir hier nur einen Kritikpunkt rausgegriffen habe, mag die Tagesschau ansonsten als ganz gut erscheinen: Das ist sie als Ideologin für Deutschland und seinen Kapitalismus nicht. Aber solch offene Propagierung von Verschwörungstheorie war mir neu.

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Zum Eigentumsverhältnis II http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/04/17/zum-eigentumsverhaeltnis-ii/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/04/17/zum-eigentumsverhaeltnis-ii/#comments Sun, 17 Apr 2011 00:06:20 +0000 Apple Kapitalismus Eigentum http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/04/17/zum-eigentumsverhaeltnis-ii/ Beim nächtlichen Rumstöbern im alten Komfor heute den Beitrag von carlos aus dem Jahr 2005 entdeckt, der das Verhältnis von Eigentum, Kapital und Staatsgewalt ganz gut fasst. Ich zitiere den Beitrag in voller Länge, die gesamte Debatte findet sich hier.

1. Abstrakte Arbeit und Gesellschaflichkeit
Als abstrakte i s t die menschliche Arbeit gesellschaftliche Tat; allerdings ist das gerade nicht eine von den Menschen gewußt gelebte Gesellschaftlichkeit. Vielmehr kennen sie alle gesellschaftliche Arbeit sowie alle benutzte Natur nur als G e g e n s t ä n d e (mit Wert), über die für sich und gegen andere privat verfügt werden kann und muß. Als gesellschaftliche Vorgänge werden so nur die Transaktionen der Gegenstände durch die verfügenden Eigentümer und deshalb auch die Sicherung der Eigentumsverhältnisse genommen.

2. Eigentum als „Gedankenform“

Es g i b t damit in der Tat dieses sich ins Verhältnis setzen des Individuums zu einem Gegenstand, ihn als den seinen zu nehmen, der er für sich gar nicht ist und sein kann. Dieses Nehmen und Verfügen ist bei diesem Eigentumsverhältnis allerdings jenseits der praktischen Benutzung angesiedelt, ein nur geistiges oder gedankliches – und von daher schon merkwürdiges – Verhältnis, das ein Subjekt sich da leistet.
Nur weil da ein subjektives und (nur) geistiges Ins-Verhältnis-Setzen zu Gegenständen vorliegt, sollte man nicht meinen und gar verkünden, das gebe es gar nicht. Ebenfalls sollte man nicht (erst recht nicht ohne Begründung) behaupten, dass dieses n i c h t ein solches, s o n d e r n ein ganz in den Willen des Staates fallendes Ins-Verhältnis-Setzen zu anderen Menschen wäre: Eben dieses abstrakte Nehmen der Gegenstände als die Seinen durch die Eigentümer ist zugleich eine ebenfalls gewollte distanzierende Bezugnahme der bürgerlichen Subjekte auf andere Menschen.
Ein solches abstraktes Verhältnis zu Gegenständen einzunehmen, ist für sich schon rätselhaft und für einen Bezug auf Gegenstände zum Gebrauch offensichtlich unvernünftig. Da die Menschen es dennoch und sogar willig bis emphatisch praktizieren, fragt man sich schon nach den Gründen dafür.

3. staatliche Gewalt als „materielle Basis“ von Eigentum und Kapital

So ein geistiges Verhältnis zu Gegenständen, wie es das Eigentumsverhältnis vorstellt, kann für sich keinen Bestand haben gegen materiellen Zu- und Übergriffe anderer Subjekte. Richtig, s o ein Verhältnis muss schon energisch und mit materieller Wucht – objektiv – gesetzt werden, von einer Instanz, die Macht über alle einzelnen Willen der Gesellschaft hat. So „konkretisiert sich“ – wenn man so will – das subjektive abstrakte Verhältnis zu Dingen in rechtliche Gewalt. Zumindest gegen diejenigen, die damit und davon ausgeschlossen werden sollen. Allerdings natürlich f ü r diejenigen, die mit dem Gegenstand zusammengeschlossen werden, deren p o s i t i v e r Wille zum Gegenstand als eigenem ist gerade gefragt und erlaubt.

Wie der Blick in die Vergangenheit zeigt, w u r d e dieses Verhältnis tatsächlich von zentralen Gewalten gegen andere (auch nicht gemütlichere) gesellschaftliche Konzepte in die Welt gesetzt. Und w i r d auch heute immer aufs Neue durch den Staat bekräftigt. Allerdings weniger gegen Leute, die eine andere gesellschaftliche Benutzung der Gegenstände im Auge haben; vielmehr hauptsächlich gegen Subjekte, die nichts anderes im Sinn haben, als gegen die bestätigten Eigentümer ebenfalls Eigentumsverhältnisse zu den Gegenständen einzunehmen.
Es ist also auch n i c h t so, dass beim Eigentum „der Wille grundsätzlich in seinem Bezug auf seine Mittel negiert wird“ ( Gewalt ! ), er wird dahingehend sogar genehmigt und bestätigt – allerdings nur in bestimmter Weise : Wille zum Eigentum muss er schon sein.

4. der l o g i s c h e Grund des Eigentumsverhältnisses

Man kann sich also weiter die Frage stellen, warum es – jenseits der historischen Abfolge und Willensvorgabe – dieses subjektive Willensverhältnis zu Dingen als solches überhaupt gibt. Also nicht, d a s s und warum es g i l t , das Eigentumsverhältnis – da leistet die Staatsgewalt schon die Erklärung. Sondern warum es d i e s e s Verhältnis in seiner besonderen Q u a l i t ä t ist, das die Staatgewalt zur Geltung bringt.
Die Dinge selbst können wohl in der Tat für so ein Verhältnis zu ihnen ebenfalls nicht als Begründung herhalten. Ein archaisches Bedürfnis der menschlichen Natur oder gar der Willens (überhaupt), sich so zu den Mitteln menschlicher Zwecke zu stellen (so wie sich die Bürger das vorstellen), leuchtet allerdings auch nicht ein. Selbst wenn das Eigentumsverhältnis von (fast) a l l e n Akteuren des Kapitalverhältnisses als ihrem Willen entsprechend – also n i c h t als Gewalt – genommen wird.
Und selbst zur allseitig bekannten Elementarform des bürgerlichen Reichtums, der Ware, kann man sagen, dass sie zwar gehabt und materiell besessen werden muss, aber ein so abstraktes Verhältnis wie das Eigentumsverhältnis zu ihr nicht notwendig ist.
Worin ist und was macht denn nun dann dieses Eigentumsverhältnis notwendig ? Das kapitalistische Produktionsverhältnis selbst, und zwar in den Einkommensquellen („Revenuequellen“ nach Marx, K III) des bürgerlichen Wirtschaftens ! Die Gegenstände Geld, Natur und menschliche Natur, alles das wird in der Transaktion mit dem Unternehmer (nicht etwa wie die Ware verkauft, sondern) gegen Geld (= Einkommen) v e r l i e h e n . Und sie stehen im diesem verliehenen Zustand gerade a u s s c h l i e s s l i c h in d e m abstrakten Verhältnis zu ihrem verfügenden Subjekt, das das Eigentumsverhältnis ausmacht; während der Unternehmer materiell über sie verfügt.

Somit zeigt sich das Eigentumsverhältnis und der vom Eigentum getrennte Eigentümer als subjektive Kristallisation des gesamten Kapitalverhältnisses, ist also weder zufällige (etwa vorgefundene) noch willkürlich gesetzte Verfügungsweise, sondern s e i n e Form von Verfügung.
Und so subjektiv und innerlich wie innig man sich den Willen (was es ja dennoch ist, aber eben) zum Eigentum auch vorstellen mag, d a m i t (und nicht weil uns der Staat das auferlegt) erweist sich jedes Eigentumsverhältnis als Dienst am Kapital und sonst gar nichts.

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Papa-a? – Ja, mein Kind? http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/04/08/papa-a-ja-mein-kind/ http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/04/08/papa-a-ja-mein-kind/#comments Thu, 07 Apr 2011 22:01:11 +0000 Apple Kunst Kapitalismus http://vorstadtfeierabend.blogsport.de/2011/04/08/papa-a-ja-mein-kind/ Papa-a?
Ja, mein Kind?

Wenn wir einst, um nicht zu rosten,
rübermachten in den Osten,
um die Welt in Bunt zu sehn;

wenn wir nun vor todesblassen
Arbeitsämtern, Aldi-Kassen
wie im Osten Schlange stehn:

Ging der Schuss (ich frag ja bloß)
nicht dezent nach hinten los?

Dann geh halt rüber!

(Thomas Gsella, 2007/2008)

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